NOLD CLUB DOSSIER : Lust, Intimität, Sexualität … und nach 45?
- Sandra Carmen
- 25. Aug.
- 10 Min. Lesezeit
Der Körper verändert sich. Die Lust entwickelt sich weiter. Das Leben auch. Und wenn wir nach 45 endlich die Freiheit hätten, unsere Intimität anders – und vielleicht sogar besser – zu entdecken?
Reden wir doch einfach darüber
Mit 20 sprach man mit uns über Verhütung.
Mit 30 vielleicht über Fruchtbarkeit.
Mit 40 … schon deutlich weniger.
Und nach 50 könnte man fast meinen, jemand hätte das Kapitel «Sexualität» heimlich aus der Bedienungsanleitung entfernt.
Als hätte Lust ein Ablaufdatum.
Als wäre Vergnügen jungen Körpern vorbehalten.
Als müsste man nach der Menopause, den ersten grauen Haaren oder einer ersten Erektionsstörung langsam zu anderen Themen übergehen.
Die gute Nachricht:
Das sagt die Wissenschaft nicht.
Und das Leben schon gar nicht.
Die Weltgesundheitsorganisation WHO betrachtet Sexualität als einen Aspekt des Menschseins über die gesamte Lebensspanne hinweg. Ihre Definition beschränkt sich weder auf Geschlechtsverkehr noch auf die Abwesenheit von Krankheiten. Sie umfasst unter anderem Lust, Erotik, Intimität, Beziehungen sowie körperliches, emotionales, geistiges und soziales Wohlbefinden.
Das passt ziemlich gut zu Nold.
Denn zwischen 45 und 65 verschwindet unsere Sexualität nicht.
Sie verändert sich.
Und vielleicht ist gerade jetzt der richtige Zeitpunkt, wieder darüber zu sprechen.
Der Körper verändert sich. Und das ist normal.
Beginnen wir mit einer einfachen Tatsache:
Unser Körper mit 50 oder 60 ist nicht mehr derselbe wie mit 25.
Und in manchen Bereichen ist das durchaus erfreulich.
Bei anderen …
sagen wir einmal, wir sind noch in Verhandlungen. 😉
Hormone, Schlaf, Stress, Medikamente, chronische Erkrankungen, Körperbild, Beziehung, mentale Belastung oder Veränderungen im Leben können Lust und sexuelle Funktion beeinflussen.
Und ganz wichtig:
Lust, Erregung und körperliche Reaktion sind nicht dasselbe.
Man kann jemanden lieben und heute Abend trotzdem keine Lust auf Sex haben.
Man kann Lust empfinden und gleichzeitig mit einer körperlichen Schwierigkeit konfrontiert sein.
Man kann Single sein und eine erfüllte Sexualität leben.
Man kann in einer Beziehung sein und längere Phasen mit wenig Sexualität erleben.
Und man kann zeitweise wenig oder keine Lust verspüren, ohne dass dies automatisch ein medizinisches Problem darstellt.
Die entscheidende Frage lautet deshalb oft weniger:
«Ist das in meinem Alter normal?»
sondern vielmehr:
«Ist diese Situation für mich stimmig?»
Frauen: Menopause und Lust – eine neue Gleichung
Die Menopause kann das Sexualleben verändern.
Aber keineswegs bei jeder Frau auf dieselbe Weise.
Sinkende Östrogenspiegel können unter anderem zu vaginaler Trockenheit, Reizungen, verminderter Lubrikation oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr beitragen.
Schlafprobleme, Hitzewallungen, Stimmung, Medikamente oder schlicht Erschöpfung können ebenfalls eine Rolle spielen.
Das bedeutet aber nicht:
Menopause = Ende der Lust.
Und schon gar nicht:
Menopause = Ende der Sexualität.
Bei manchen Frauen nimmt die Lust ab.
Bei anderen verändert sie sich.
Und einige erleben sogar eine neue Freiheit: keine Verhütung mehr, den eigenen Körper besser kennen, klarer sagen können, was gefällt – und was man ganz sicher nicht mehr machen möchte.
Mit 25 beschäftigte uns vielleicht die Frage:
«Bin ich begehrenswert?»
Mit 55 könnte eine viel interessantere Frage lauten:
«Was weckt eigentlich meine eigene Lust?»
Wenn Trockenheit, Schmerzen oder Beschwerden auftreten, gibt es Behandlungsmöglichkeiten. Es gibt keinen Grund, solche Symptome einfach als «normalen Preis des Älterwerdens» hinzunehmen.
Eine Ärztin oder ein Arzt kann mögliche Ursachen abklären und gemeinsam mit der betroffenen Frau geeignete Behandlungsmöglichkeiten besprechen.
Und genau zu diesen Themen werden wir demnächst auch die Perspektive einer auf Menopause spezialisierten Gynäkologin einholen.
Männer: Und wenn eine Panne nicht einfach nur eine Panne wäre?
Über dieses Thema sprechen viele Männer noch immer ungern.
Die Erektion.
Oder genauer:
wenn sie nicht kommt, nicht anhält oder plötzlich weniger zuverlässig wird.
Eine erektile Dysfunktion kann viele Ursachen haben – unter anderem vaskuläre, neurologische, hormonelle, medikamentöse oder psychische.
Es gibt aber noch einen weiteren Grund, sie nicht einfach mit einem:
«Das ist halt das Alter.»
abzutun.
Die internationalen Princeton-IV-Konsensusleitlinien, veröffentlicht im Journal of Sexual Medicine, betonen den Zusammenhang zwischen erektiler Dysfunktion und kardiovaskulärer Gesundheit. Sie empfehlen, bei Männern mit erektiler Dysfunktion auch das Herz-Kreislauf-Risiko zu berücksichtigen.
Warum?
Eine gute Erektion hängt unter anderem von einer funktionierenden Gefässversorgung ab.
Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass ein Mann mit Erektionsproblemen einen Herzinfarkt bekommen wird.
Eine anhaltende erektile Dysfunktion kann jedoch ein Hinweis sein, der eine medizinische Abklärung – einschliesslich möglicher kardiovaskulärer Risikofaktoren – rechtfertigt.
Anders gesagt:
Wer auf seine Herz-Kreislauf-Gesundheit achtet, kümmert sich auch um seine sexuelle Gesundheit.
Und umgekehrt kann es sinnvoll sein, eine Veränderung der sexuellen Funktion beim Arzt anzusprechen.
Genau diesem Thema widmete sich kürzlich auch ein interessanter Beitrag von Dr. Guénolé Addor. Wir haben ihn eingeladen, seine medizinische Perspektive mit uns zu teilen. Sollte er zusagen, ergänzen wir diesen Grand Dossier gerne um seine Einschätzung.
Sexuelle Gesundheit ist auch einfach … Gesundheit
Dieser Punkt verdient etwas Aufmerksamkeit.
Wir neigen dazu, Sexualität in eine separate kleine Schublade unseres Körpers zu stecken.
Das Herz hier.
Der Schlaf dort.
Stress irgendwo anders.
Und Sex …
hinter verschlossener Tür.
In Wirklichkeit hängt vieles zusammen.
Die WHO betrachtet sexuelle Gesundheit als Teil des allgemeinen Wohlbefindens und betont einen positiven Ansatz, der sich nicht nur auf die Vermeidung von Krankheiten oder sexuellen Funktionsstörungen beschränkt.
Bevor wir also nach einer Wunderlösung suchen, lohnt es sich, einige Grundlagen im Blick zu behalten:
regelmässige Bewegung, Herz-Kreislauf-Gesundheit, genügend Schlaf, möglichst wenig Tabak, ein vernünftiger Umgang mit Stress sowie eine ärztliche Überprüfung von Medikamenten, wenn sexuelle Nebenwirkungen vermutet werden.
Und natürlich eine medizinische Abklärung, wenn eine Veränderung anhält oder Sorgen bereitet.
Dann gibt es noch einen Faktor, der selten auf einem Laborblatt erscheint:
die Qualität der Beziehung – zu uns selbst und zu anderen.
Vom Womanizer zum Tantra: Auch Lust entwickelt sich weiter
Vor einigen Jahrzehnten hätte ein offenes Gespräch über weibliche Lust vermutlich noch eine ganze Tischrunde erröten lassen.
Heute sind Produkte, die sich ausdrücklich dem weiblichen Vergnügen widmen, deutlich sichtbarer geworden.
Der Womanizer beispielsweise hat eine Bekanntheit erreicht, die jener Generation vermutlich ziemlich unwahrscheinlich erschienen wäre, die gewisse Zeitschriften noch ganz oben im Schrank versteckte.
Man könnte sagen:
Seit dem Walkman haben einige sehr persönliche Geräte einen bemerkenswerten Weg in unsere Schubladen gefunden. 😉
Aber Sexualität nach 45 neu zu entdecken bedeutet selbstverständlich nicht, den Nachttisch technologisch aufzurüsten.
Am anderen Ende des Spektrums interessieren sich manche Menschen und Paare für Tantra-Kurse oder -Workshops.
Dort kann – je nach Angebot – stärker mit Langsamkeit, Atmung, Präsenz, Berührung und Kommunikation gearbeitet werden.
Eine wichtige Einschränkung:
Was heute unter dem Begriff «Tantra» angeboten wird, umfasst sehr unterschiedliche Praktiken. Ein Tantra-Kurs ist nicht automatisch eine medizinische oder sexualtherapeutische Behandlung, und Qualität sowie Ausbildung der Anbieter können erheblich variieren.
Aber sowohl hinter dem technologischen Gadget als auch hinter dem Wunsch nach mehr Langsamkeit steckt eine interessante Idee:
Was wäre, wenn Sexualität weniger mit Leistung und mehr mit Neugier zu tun hätte?
Entdecken, was uns heute gefällt.
Sagen, was wir mögen.
Hören, was die andere Person mag.
Mehr Zeit lassen.
Etwas Neues ausprobieren.
Oder feststellen:
Das, was wir seit zwanzig Jahren machen, funktioniert immer noch ausgezeichnet.
Fortschritt verpflichtet schliesslich nicht zu einem Programmwechsel. 😉
DER NOLD-TIPP FÜR PAARE
Frag nicht nur:
«Wann machen wir es wieder?»
Versuch es gelegentlich mit:
«Was würde dir gerade guttun oder Freude machen?»
Die Antwort könnte interessant sein.
Sie könnte allerdings auch lauten:
«Schlafen.»
Und an manchen Abenden ist das eine vollkommen akzeptable Antwort. 😄
Lust ist kein Lichtschalter
Das ist vielleicht eine der wichtigsten Ideen dieses Dossiers.
Wir stellen uns Lust gerne als etwas vor, das spontan auftauchen sollte.
Man hat Lust.
Man kommt sich näher.
Und dann passiert etwas.
Das wirkliche Leben ist häufig weniger linear.
Lust kann vom Kontext beeinflusst werden:
vom Gefühl der Sicherheit, emotionaler Nähe, Berührung, Neuheit, Stress, Müdigkeit oder schlicht davon, genügend Zeit zu haben, um mental aus dem Alltag herauszukommen.
Nach vielen gemeinsamen Jahren darauf zu warten, dass die Lust an einem Dienstagabend zwischen Stromrechnung und Geschirrspüler spontan explodiert, ist vielleicht etwas viel verlangt. 😉
Zeit für die Partnerschaft einzuplanen bedeutet deshalb nicht zwangsläufig, die Spontaneität zu töten.
Es kann auch bedeuten:
ihr überhaupt wieder eine Chance zu geben.
Lange zusammen: Wie bleibt die Flamme, ohne Druck zu erzeugen?
Erster Tipp:
Hört auf zu zählen.
Es gibt keine universell richtige Häufigkeit sexueller Kontakte, die eine gute Sexualität definiert.
Was für ein Paar stimmt, muss für ein anderes überhaupt nicht passen.
Und die Häufigkeit kann sich im Verlauf eines Lebens stark verändern.
Statt:
«Machen wir es oft genug?»
könnte die Frage deshalb lauten:
«Fühlt sich unsere Intimität für uns beide noch gut an?»
Zweite Idee:
Intimität nicht auf Geschlechtsverkehr reduzieren.
Berühren.
Küssen.
Sich umarmen.
Eng aneinander einschlafen.
Massieren.
Flirten.
Zusammen lachen.
Etwas Neues erleben.
Intimität besitzt ein wesentlich grösseres Vokabular, als wir ihr manchmal zugestehen.
Und die dritte Idee:
Etwas Neues ins Vertraute bringen.
Dafür muss nicht gleich eine Schaukel an die Schlafzimmerdecke.
Ganz ruhig. 😄
Ein Wochenende woanders.
Ein gemeinsames Abendessen.
Ein anderes Gespräch.
Eine neue Aktivität.
Eine Massage.
Ein Abend ohne Handy.
Manchmal reicht ein anderer Rahmen, um einen Menschen wieder etwas anders zu sehen, obwohl man ihn seit zwanzig Jahren kennt.
Single nach 45: Und was suche ich jetzt eigentlich?
Single zu sein bedeutet nach 45 selbstverständlich nicht, darauf zu warten, endlich wieder in einer Partnerschaft zu leben.
Manche wünschen sich eine langfristige Beziehung.
Andere möchten eine Partnerschaft, aber nicht zusammenwohnen.
Manche wünschen sich Begegnungen und Intimität ohne klassisches Beziehungsmodell.
Andere suchen überhaupt nichts.
All diese Lebensformen sind legitim.
Wer jemanden kennenlernen möchte, besitzt in dieser Lebensphase allerdings einen beträchtlichen Vorteil:
Wir kennen uns meistens etwas besser.
Wir wissen häufig ziemlich genau, was wir nicht mehr wollen.
Bei der Frage, was wir wirklich wollen …
nun ja:
Das Pflichtenheft braucht vielleicht noch die eine oder andere Überarbeitung. 😉
Die 4 C: Eine kleine Nold-Boussole für Beziehungen
Wir schlagen vier Orientierungspunkte vor.
Keine wissenschaftliche Universalformel.
Kein Geheimrezept für ewiges Liebesglück.
Einfach vier Nold-Fragen, die sowohl in einer bestehenden Beziehung als auch vor einer neuen Begegnung interessant sein können.
1. CONSCIOUSNESS – BEWUSSTSEIN
Weiss ich, was ich heute möchte?
Nicht, was ich mit 25 wollte.
Heute.
Welche Rolle soll eine Beziehung in meinem Leben spielen?
Wie wichtig ist mir meine Selbstständigkeit?
Sexualität?
Zärtlichkeit?
Persönlicher Freiraum?
Bevor wir den richtigen Menschen suchen, lohnt es sich manchmal herauszufinden, wonach wir selbst überhaupt suchen.
2. COMMUNICATION – KOMMUNIKATION
Sagen, was gefällt.
Aber auch, was nicht gefällt.
Über Wünsche sprechen.
Über Grenzen.
Über Zweifel.
Und der anderen Person zuhören.
Nach zwanzig gemeinsamen Jahren zu denken:
«Das sollte er/sie inzwischen wirklich wissen.»
bleibt eine Kommunikationsmethode mit ziemlich schwankender Erfolgsquote. 😉
3. COMMITMENT – VERBINDLICHKEIT
Commitment muss heute nicht automatisch bedeuten:
Heirat + Haus + gemeinsames Konto + zwei Zahnbürsten im selben Becher.
Es kann viele Formen annehmen.
Zusammenleben.
Getrennt wohnen und sich bewusst füreinander entscheiden.
Gemeinsame Projekte haben.
Exklusiv leben.
Oder miteinander eine andere Beziehungsform vereinbaren.
Die entscheidende Frage ist:
Welchen Platz möchten wir dieser Beziehung geben – und sind wir uns darüber einig?
4. COMMON GROUND – GEMEINSAME BASIS
Wir müssen nicht dieselben Filme mögen.
Nicht dieselbe Musik.
Nicht dieselben Ferien.
Zum Glück.
Aber:
Welche Werte teilen wir?
Welche Wünsche?
Welche Projekte?
Welche Vorstellungen von Treue, Freiheit, Partnerschaft und Sexualität?
Und vor allem:
Wo treffen wir uns, ohne dass einer von uns ständig jemand anderes werden muss?
Die 4 C sind deshalb keineswegs nur für Singles interessant.
Sie können auch nach zwanzig gemeinsamen Jahren eine ziemlich spannende Frage auslösen:
Stehen wir eigentlich noch auf demselben Boden – oder haben wir einfach schon lange nicht mehr darüber gesprochen?
Und wo steckt der Sex in den 4 C?
Eigentlich überall.
Lust kann davon profitieren, den eigenen Körper bewusst wahrzunehmen – Consciousness.
Sexualität profitiert häufig von Communication.
Wie wir Intimität leben, hängt auch davon ab, was unsere Beziehung und unser Commitment für uns bedeuten.
Und schliesslich brauchen wir einen Common Ground darüber, was beide erleben möchten – und was nicht.
Manchmal wird der gemeinsame Nenner am Freitagabend eine leidenschaftliche Nacht sein.
Manchmal Netflix.
Eine erwachsene Beziehung sollte beides überleben können. 😉
Lust ist kein Bonus
Hier wird die Haltung der WHO besonders interessant.
Sexuelle Gesundheit wurde lange hauptsächlich über das definiert, was schiefgehen kann:
ungewollte Schwangerschaften,
sexuell übertragbare Infektionen,
sexuelle Funktionsstörungen,
Gewalt.
All diese Themen bleiben selbstverständlich wichtig.
Die WHO betont heute aber zusätzlich einen positiven Ansatz, der Lust, Intimität, Einvernehmlichkeit, Sicherheit und Wohlbefinden berücksichtigt.
Eine von der WHO aufgegriffene systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse kam zudem zum Schluss, dass die Integration von Lust in Interventionen zur sexuellen Gesundheit bestimmte Ergebnisse verbessern kann, darunter Wissen und einige Safer-Sex-Praktiken.
Mit anderen Worten:
Auch über Lust kann man wissenschaftlich seriös sprechen.
Das gefällt uns.
Und neue Begegnungen?
Nach 45 kann noch etwas passieren, über das erstaunlich wenig gesprochen wird:
Man wird wieder Single.
Nach einer Scheidung.
Nach dem Tod eines Partners oder einer Partnerin.
Nach einer langen Beziehung.
Oder nach Jahren ohne Partnerschaft.
Mit einem neuen Menschen wieder Sexualität zu erleben, kann aufregend sein.
Und gleichzeitig ein wenig verunsichern.
Der eigene Körper hat sich verändert.
Der Körper des anderen auch.
Bei manchen Dingen sind wir selbstbewusster geworden.
Bei anderen vielleicht weniger.
Und eine Tatsache verschwindet mit dem Alter nicht:
sexuell übertragbare Infektionen.
Bei neuen Sexualpartnerinnen und -partnern gehören deshalb Schutz und gegebenenfalls Tests weiterhin zur sexuellen Gesundheit.
Und wenn eine Schwangerschaft noch möglich ist, bleibt auch die Verhütung relevant.
Vielleicht ist das nicht gerade das glamouröseste Thema beim ersten Date.
Aber das Älterwerden hat Vorteile.
Einer davon könnte darin bestehen, gewisse Dinge besprechen zu können, bevor das Licht ausgeht.
Wann sollte man medizinischen Rat suchen?
Nicht jede Veränderung der Sexualität ist eine Krankheit.
Aber wenn etwas neu, anhaltend, schmerzhaft, beunruhigend oder belastend ist, lohnt sich eine professionelle Abklärung.
Zum Beispiel bei Schmerzen während des Geschlechtsverkehrs, ausgeprägter vaginaler Trockenheit, ungeklärten Blutungen, anhaltenden Erektionsproblemen, einem als belastend empfundenen Verlust sexueller Lust oder wenn ein Medikament als mögliche Ursache vermutet wird.
Auch sexuelle Schwierigkeiten, die eine Beziehung stark belasten, können ein Grund sein, Unterstützung zu suchen.
Je nach Situation können Hausärztin oder Hausarzt, Gynäkologin, Urologe, Menopause-Spezialistin oder eine qualifizierte Fachperson für Sexologie geeignete Ansprechpartner sein.
Hilfe zu suchen bedeutet nicht:
«Meine Sexualität funktioniert nicht mehr.»
Eigentlich bedeutet es genau das Gegenteil:
Sie ist mir wichtig genug, um mich darum zu kümmern.
Nach 45: weniger Leistung, mehr Freiheit?
Vielleicht stellen wir am Ende die falsche Frage.
Statt:
«Wie kann ich dieselbe Sexualität behalten wie mit 25?»
könnten wir fragen:
«Welche Sexualität möchte ich heute leben?»
Vielleicht langsamer.
Zärtlicher.
Mutiger.
Seltener.
Häufiger.
Verspielter.
Intimer.
Unabhängiger.
Mit einem Menschen.
Oder ohne Partner.
Es gibt keine «richtige» Sexualität nach 45.
Und niemand muss sexuell aktiv sein, um ein erfülltes Leben zu führen.
Entscheidend ist vielmehr:
wählen zu können, zu kommunizieren, einvernehmlich zu handeln, die eigenen Grenzen und jene anderer zu respektieren – und, wenn wir Lust darauf haben, auch ein Recht auf Vergnügen zu haben.
Das Nold-Schmunzeln
Wir haben noch die Slow-Songs erlebt.
Liebesbriefe.
Telefone mit einem Kabel, das gerade lang genug war, um ein Gespräch ausser Hörweite der Eltern zu versuchen.
Kontaktanzeigen.
Dann kamen SMS.
Dating-Apps.
Und inzwischen gibt es vernetzte Geräte für Orte, die sich unser altes Festnetztelefon wirklich niemals hätte vorstellen können. 😉
Die Technologie hat sich verändert.
Unsere Körper auch.
Aber etwas scheint die Jahrzehnte ziemlich gut überstanden zu haben:
der Wunsch, gesehen, berührt, begehrt, verstanden … oder einfach so geliebt zu werden, wie wir heute sind.
Und wenn das Beste noch zu entdecken wäre?
Mit 45, 55 oder 65 haben wir vielleicht nicht mehr denselben Körper.
Aber wir besitzen etwas, das wir mit 20 noch nicht hatten:
eine Geschichte.
Erfahrungen.
Fehler.
Eine bessere Kenntnis unserer selbst.
Vielleicht mehr Freiheit.
Und hoffentlich etwas weniger Lust darauf, eine Rolle zu spielen.
Vielleicht bedeutet sexuelle Reife deshalb gar nicht, genau zu wissen, wie alles «funktionieren sollte».
Vielleicht bedeutet sie vielmehr, endlich die richtigen Fragen stellen zu können:
Was gefällt mir?
Was hat sich verändert?
Was möchte ich nicht mehr akzeptieren?
Was würde ich gerne entdecken?
Und was würde mir – und meinem Gegenüber – guttun?
Der Körper verändert sich.
Die Lust auch.
Aber dieses Kapitel ist ganz sicher noch nicht zu Ende.
Zum Glück.
Quellen
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) – Sexual Health definiert sexuelle Gesundheit umfassend und bezieht Wohlbefinden, Beziehungen, Sicherheit und einen positiven Umgang mit Sexualität ein.
Die WHO erläutert in «Redefining sexual health for benefits throughout life» ausserdem die Bedeutung von Lust in einem positiven Ansatz sexueller Gesundheit. WHO – Redefining sexual health
Die Princeton IV Consensus Guidelines, veröffentlicht im Journal of Sexual Medicine, behandeln den Zusammenhang zwischen erektiler Dysfunktion und kardiovaskulärem Risiko. Princeton IV Consensus Guidelines
Nold-Hinweis: Die in diesem Artikel vorgestellten 4 C – Consciousness, Communication, Commitment und Common Ground – sind eine redaktionelle Nold-Boussole zur persönlichen Reflexion. Sie werden hier nicht als wissenschaftlich validiertes psychologisches Modell dargestellt.




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