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Langsam werden, um besser zu wählen — Chronik eines notwendigen Stopps: ein Rezept für Langlebigkeit

Vor einiger Zeit habe ich etwas Ungewöhnliches getan: Ich habe meine Aktivitäten neu geordnet, meine Verpflichtungen reduziert – und dadurch habe ich hier nicht geschrieben.

Nicht, weil ich nichts mehr zu sagen gehabt hätte. Sondern genau deshalb, weil ich nicht mehr produzieren, nicht mehr teilen, nicht mehr in diesem ständigen Rhythmus des „Machens“ sein wollte. Ein echter Stopp. Nicht angekündigt. Nicht geplant. Einfach gespürt.

Und mit diesem Stopp ist etwas Wertvolles zurückgekommen: Zeit … und vor allem Raum.


Wenn Ruhe zu einer Entscheidung wird

Mit 20 oder 30 drängt man vorwärts. Man baut auf. Man beschleunigt. Aber ab einem gewissen Punkt – den viele hier kennen – beginnt man etwas anderes zu verstehen.

Ruhe ist keine Belohnung. Sie ist eine Entscheidung.

Während dieser Wochen habe ich mir erlaubt, ohne schlechtes Gewissen zu verlangsamen. Nicht „produktiv“ zu sein. Nicht jede Stunde zu optimieren. Und genau da beginnen interessante Dinge zu passieren.

Denn wenn man wirklich langsamer wird, hört man wieder, was zählt.


Die einfachen Dinge wieder schätzen lernen

Ich bin viel gegangen. Im Wald, in den Bergen, am See. Ohne konkretes Ziel. Ohne Leistungsgedanken. Einfach gehen.

Es hat etwas zutiefst Beruhigendes, einem Weg zu folgen, den Boden unter den Füßen zu spüren und zu beobachten, wie sich das Licht zwischen den Bäumen verändert.

Die Gedanken ordnen sich anders. Langsamer. Klarer.

Auch mein Bike habe ich wieder genutzt. Nicht, um einen Rekord zu brechen. Sondern wegen der einfachen Freude an Bewegung, Wind und sinnvoller Anstrengung.

Und dann gab es noch die ganz einfachen Momente.

Im Garten sitzen. Ein paar Seiten lesen. Zeit vergehen lassen, ohne sie zu füllen.

Atmen. Wirklich atmen.

Ich habe die abwechselnde Nasenatmung wiederentdeckt. Ein paar Minuten reichen, um den Körper zu beruhigen, den Geist zu verlangsamen und wieder bei sich anzukommen (z. B. Alternate Nostril Breathing). Nichts Spektakuläres. Aber erstaunlich wirksam.


Und ja … immer noch BodyPump ;-)

Denn langsamer werden heisst nicht, sich zu verlieren.

Mein BodyPump blieb ein fester Bestandteil. Der Montagstermin, manchmal auch der Mittwoch – belebend, ideal um Muskeln zu stärken, Energie zu halten und sich im eigenen Körper stabil zu fühlen. Der Unterschied liegt in der Absicht.

Früher war es manchmal ein Punkt auf einer Liste. Heute ist es ein echter Moment für mich.

Ein Moment, in dem ich mich bewege, ja … aber vor allem wieder mit meinem Körper in Verbindung komme, mit Freude. Denn die Bedeutung von Muskelaufbau ist längst gut belegt: Er hilft, unser Skelett zu stützen und unsere Stabilität zu erhalten.

Man trainiert nicht, um leistungsfähiger zu sein. Man trainiert, um frei zu bleiben.

Und genau dort hat sich für mich etwas verändert.

Ich habe keine Aktivität wieder aufgenommen, um „Sport zu machen“. Ich habe weder Leistung noch ein bestimmtes Ziel gesucht.

Ich habe einfach – fast instinktiv – einen Termin beibehalten, der mir guttut. Einen Moment, der mich erdet, mich belebt und mich daran erinnert, dass mein Körper eine Ressource ist … kein Hindernis.

In diesem Sinn hat BodyPump seinen Platz gefunden.

Nicht als Pflicht, sondern als Gleichgewicht. Heute geht es nicht mehr um Sport oder Figur. Studien zeigen, dass Muskelkraft eng mit Langlebigkeit und Selbstständigkeit verbunden ist. Wer seine Muskelmasse nicht erhält, lässt den Körper schneller abbauen. Dazu kommt die Ernährung: Laut Ernährungsexperten liegt der Bedarf bei etwa 1,0 bis 1,2 g Protein pro kg Körpergewicht pro Tag – bei regelmäßigem Sport eher mehr.


Zurück zur Kraft der Zurückhaltung

Mit den Jahren hat mir diese Pause auch etwas Grundlegendes gezeigt.

Nicht alles verdient eine Reaktion. Mit über 50 (oder kurz davor) sieht man vieles anders. Man wählt bewusster. Reagiert nicht sofort. Steigt nicht in jede Diskussion ein. Sagt nicht automatisch Ja.

Das ist kein Rückzug. Das ist Klarheit. Zurückhaltung wird zu einer Form von Freiheit.

Man bewahrt seine Energie für das, was wirklich zählt: echte Beziehungen, sinnvolle Projekte, nährende Momente.


Soziale Netzwerke: die Kontrolle zurückgewinnen

Ich tue nicht so, als wäre es anders: Wie viele andere öffne ich manchmal mein Handy – ohne konkreten Grund. Genau in dieser Pause ist mir das bewusst geworden.

Also habe ich etwas Einfaches ausprobiert: Am Morgen in der ersten Stunde kein Handy. Keine unnötigen Benachrichtigungen. Und vor allem eine Frage, bevor ich eine App öffne:

„Warum jetzt?“

Manchmal ist die Antwort klar. Oft … nicht. Und dann lege ich das Handy wieder weg. Stattdessen: ein Kaffee in Ruhe. Ein paar Atemzüge. Oder einfach aus dem Fenster schauen.

Kleine Anpassungen. Aber mit grosser Wirkung.


Ein Frühlings-Smoothie als Ritual

In dieser Rückkehr zum Wesentlichen habe ich auch einfache Gesten wieder aufgenommen.

Zum Beispiel einen Smoothie zubereiten. Nicht, um einem Trend zu folgen, sondern um mir konkret etwas Gutes zu tun.

Meine aktuelle Version:

  • 1 Apfel

  • eine Handvoll frischer Spinat

  • einige Minzblätter

  • etwas Petersilie

  • Saft einer halben Zitrone

  • etwas Honig

  • Wasser oder Kokoswasser

Und zusätzlich:

  • eine Prise getrocknete Brennnessel

  • oder einige Melissenblätter

Ich mixe alles. Und ich nehme mir Zeit, ihn zu trinken. Nicht beim Scrollen. Nicht im Eiltempo. Einfach da sein.


Was mir dieser „Stopp“ beigebracht hat

Was ich aus dieser Pause mitnehme, ist einfach:

Langsamer werden bedeutet nicht, Zeit zu verlieren. Es gibt der Zeit mehr Qualität zurück.

Mit den Jahren wird man feiner in seinen Entscheidungen. Man wählt besser. Man hält sich mehr zurück. Man versteht, dass Energie kostbar ist. Und vor allem erkennt man: Der wahre Luxus ist heute nicht, mehr zu tun.

Sondern zu wählen, wann man aufhört.


Und wenn genau das der Punkt wäre …

An einem Punkt im Leben zu sein, an dem man nichts mehr beweisen muss. Nein sagen zu können, ohne sich zu rechtfertigen. Seine Stille ebenso bewusst zu wählen wie seine Engagements.

Einen Moment, in dem Geschwindigkeit durch Genauigkeit ersetzt wird.

Vielleicht ist das heute ein „Quincado“. Nicht jemand, der langsamer wird, weil er muss. Sondern jemand, der langsamer wird, weil er verstanden hat.

Verstanden, dass nicht alles dringend ist. Dass nicht alles wichtig ist. Und dass das Wertvollste unsichtbar bleibt: innere Ruhe, Klarheit, Präsenz.

Also geht man weiter, natürlich. Man gestaltet, teilt, bewegt sich – manchmal auch mit Energie (und ein paar guten Sporteinheiten 😉).

Aber anders.

Mit mehr Bewusstsein. Mehr Freiheit. Und vor allem: mehr Wahlmöglichkeiten.

Und vielleicht ist genau das der wahre Luxus dieser Lebensphase:

Nicht mehr dem Tempo hinterherzulaufen. Sondern endlich mit ihm zu gehen.


Mieux freiner pour savourer. Donner au temps du temps!
Sandra pour Nold Club
Bremsen, sich ausruhen, geniessen

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